TEXTS

"The strength of Braunholz as a photographer is a result of his conceptual perception of the world. Braunholz is interested more than anything else in what is called reality and how one perceives this. For him, it is first and foremost about the photographic view of parallel realities, which need not necessarily — as is so often the case with other artists — lead to a kind of dichotomy between dream and reality, fiction and fact. It is neither a question of the much-discussed truthfulness of photography, nor of how truth can be manipulated with the help of photography. Instead, one could slightly alter a neologism which has already become a popular buzzword within the current political discussion and give it a more positive spin: “alternative realities.” Not in the sense of facts that indeed are not factual, so that one has to twist them to make them fit, but rather as an alternative way of seeing the world with new, different, and perhaps even foreign eyes. Peter Braunholz speaks here of a “third reality.” Here, it is not a question of the fantastical or the surreal, but rather of the simultaneously documentary and abstracting view of things and their nature, their very essence...Through his exceptional visual acuity, which is determined by his extremely sensitive view of the world, Peter Braunholz captures images of moment, which enable us as viewers to gain insights into a vast number of further parallel realities."

Gérard A. Goodrow
Excerpt from the book
"PHOTOGRAPHIC REALITIES"
Kehrer Verlag, 2017

"Peter Braunholz born in Frankfurt/Germany uses a special approach to photography resulting from his unique understanding of the medium. Compared to works staged or manufactured in the studio, as done by most popular photographers today such as Thomas Ruff and Jeff Wall, his ideas for creating works are based on comparison of the real versus a virtual reality. These spectacular and seemingly "surreal" works are well designed, thus being not a virtual world made in the studio or manipulated by computer, but which is in fact reality. Apart from merely recording objects and events, Peter strives to discover surreal connections in real life. In his images we find profoundness and lightness as well. What sets Peter Braunholz apart in contemporary photography is his innovative and inimitable style."

Juan Xu
for the exhibition "MADE IN CHINA"
Huantie Times Art Museum
Beijing/China 2013

"Peter Braunholz setzt die Betrachter raffiniert auf die Spur von Schein und Sein, Realität und Illusion. Er erspürt in Architektur und Natur den Moment, der hinter dem Offensichtlichen, Dokumentarischen liegt. Das Ergebnis sind intensive Porträts von Dingen im Raum, die auch Seh-Erwartungen ins Schlingern bringen."

KÖLNISCHE RUNDSCHAU, Februar 2016

"Es sind die Übergriffe des Menschen auf die Natur, die den Fotografen Peter Braunholz beschäftigen. Fündig wird Braunholz fast überall. Und so alltäglich seine Fundorte sind, so ungewöhnlich fängt er sie mit seiner Kamera ein...Braunholz sieht dieses Aufeinanderprallen so kontrastreich und surreal, dass seine Fotografien wirken wie montierte Collagen, was sie keinesfalls sind...Die wie unwirklich wirkende monochrome Farbgestaltung offenbart eine bizarre Kultur des Basalts, konturiert sie scharf und vermittelt einen fast gespenstischen, sehr kargen und kalten Eindruck der Steinbrüche."

OBERHESSISCHE ZEITUNG, April 2014

"Die Arbeiten des Frankfurter Fotografen zeichnen sich durch eine erfrischende Originalität aus...Braunholz hatte in diesem Jahr mit einem Dreimonatsstipendium die Stadt Peking kennen gelernt, auch den Künstler Ai-Weiwei und durfte durch das Land reisen und kreativ sein. Der Musikersohn, der auf Klavier, Gitarre und Bass aktiv ist, dazu arrangiert und produziert, konzentriert sich auf die Fotokunst. 2009 stellte er gemeinsam mit Topfotografen wie Gursky, Höfer und Ruff aus.
Hier dokumentiert er seine Begeisterung für Natur und Architektur und blickt dabei hinter jene Phänomene, die auf den ersten Blick wahrgenommen werden können. Die von ihm bevorzugte Kombination von Natur und Architektur erscheint (zu Unrecht) unrealistisch oder manipuliert."

RHEIN-NECKAR-ZEITUNG, Dezember 2013

"Sei es die optische Verwirrung, die Braunholz gekonnt vor die Linse setzt, oder die unwirklich wirkende Realität im urbanen und natürlichen Raum. Der Künstler ist von der Verbindung zwischen Objekten und Wirklichkeiten, dem was wir sehen und was es an Realität noch zu sehen gibt, fasziniert…Er schafft wundersame Abbilder der Wirklichkeit, die Rätsel aufgeben und unsere Wahrnehmung auf die Probe stellen…Skurril sind auch seine Motive, die in China entstanden sind, wo er für einige Monate ein Museumsstipendium absolvierte…Braunholz ist ganz bei sich, um ein, der menschlichen Dimension entsprechendes, damit harmonisch wirkendes Kunstwerk zu schaffen."

KUNSTRAUM METROPOL, 01/2014

"...Der Frankfurter Peter Braunholz setzt sich seit Jahren mit unwirklich scheinenden Motiven auseinander. Orte und sogenannte »Unorte« dienen seiner Motivfindung. Ob Wasseroberflächen, Wohnsiedlungen, Baustellen oder Fassadenspiegelungen: seine Perspektiven und Ausschnitte wählt Braunholz in so ungewöhnlicher und irritierender Form, dass die Bildinhalte oftmals Rätsel aufgeben und der Betrachter eine Computerbearbeitung vermutet..."

ALSFELDER ALLGEMEINE ZEITUNG, April 2014

"Ein Fall für leidenschaftliche Sammler – Überragend starke Fotografien von Peter Braunholz."

SÜDKURIER, März 2015

"Im selben Maße, wie uns stadtbewohnenden Bürgern einer Industriegesellschaft Natur immer seltener begegnet als unbeeinträchtigt von unseren Eingriffen, als ursprünglich, von selber geworden, für sich existierend, hat Natur seit einigen Jahrzehnten als Thema wieder Einzug gehalten in die Kunst. Mit zeitgemäßen philosophischen, ökologischen, ethischen Ansätzen. Oft als zitierte, verfremdete, alternative, neu erfundene, dekonstruierte und rekonstruierte Natur, im Extremfall vorgestellt in Werken, die mit dem Anschein von Feldforschung, Versuchsanordnung, Experimentreihe, im Gewand einer Para-Naturwissenschaft daherkommen. Vor diesem Hintergrund empfehle ich die Braunholz’schen Fotografien zu sehen. Von der Präsentation her geben sie sich sachlich-kühl, Lambda-Prints auf Aluträger montiert. Und wo wir hier in der Regel ein oder zwei, maximal vier motivisch verwandte Aufnahmen sehen, ist dies jeweils nur die Spitze des Eisbergs. Peter Braunholz arbeitet oft in Serien, jede eine Untersuchung, ein Vorstoß in Terra incognita, wobei jede Einzelstation die anderen kommentiert und unterstützt. Nur ist die Wirkung auf den Betrachter kaum je sachlich-kühl. Die Kamera wählt ihre Ausschnitte Wirklichkeit so, dass sie unsere Erwartungen unterläuft. Und aus dem faktisch Vorgefundenen etwas herausdestilliert – wohlgemerkt ohne digitale Eingriffe –, das ganz entschieden eine Wirklichkeit von eigenen Gnaden absteckt, eine Gegen-Wirklichkeit.

Oft ist es die Spiegelung von Objekten in einer Wasserfläche, womit Braunholz diesen Effekt von Wirklichkeit-in-Schwebe erzielt. Auf einer Fahrt in den Harz hat er einen Ort gefunden – oder vielmehr einen Augenblick –, wo die realen Bäume zu bloßen Repoussoirfiguren wurden, nicht unähnlich den in Rückenansicht wiedergegebenen Wanderern bei Caspar David Friedrich, die das Auge bloß weiterlenken sollen auf grandiose Naturerscheinungen. Im Falle der Harz-Aufnahmen die Realität zweiten Grades, die Fata Morgana der reflektierten Fichten vom anderen Ufer, sozusagen die hängenden Wälder der Semiramis. Radikaler noch ist das große Hochformat mit der im Wasser eines Kanals verdoppelten Baumallee am Uferstreifen aus der Serie „Diametral“. Warum weckt es so klaustrophobische Gefühle? Auf den zweiten Blick erkennt man, dass der Fotograf sein Werk (auf dem Kopf fotografiert oder) listig um 180° gedreht hat. Und plötzlich scheinen sich die Uferstreifen über unserem Kopf zu schließen, wie Grabplatten, die von links und rechts zugeschoben werden und uns in eine Unterwelt ungewisser Solidität verbannen. „Eine Perspektive, wo man den Boden unter den Füßen verliert“, liegt ausdrücklich in Braunholz’ Absicht. In Zweifel stürzt er den Betrachter auch bei anderen Serien, wo er Schnee, Holz, Wasser stofflich hinterfragt, bis man stattdessen Sand, Fleisch, Gebäuderuinen, panisch zappelnde Fischschwärme vermutet."

Dr. Roland Held, 2013

"Jeff Wall hat große Inszenierungen geschaffen, die er als verdichtete Realität präsentierte, dann Thomas Ruff mit seinen stilisierten, standardisierten „Realitäten“ oder dann Andreas Gursky, dessen großformatige Arbeiten erst am Rechner zu dem werden, was sie sind: phänomenale Mustersammlungen, die fiktionale Realität aus fraktalen Strukturen herstellen.

Peter Braunholz sieht die Faszination der Fotokunst ebenfalls in dieser Grauzone zwischen Sehen und Erkennen. Braunholz, Jahrgang 1963, begann als Musiker in Los Angeles, beschäftigte sich dann mit Theater, Film und hat schließlich mit der Fotografie seine bevorzugte Ausdrucksform gefunden. Die „Illusionsgeschichte“ der jüngeren Kulturgeschichte war ihm immer bewusst, wie seine Biografie nahelegt.

Aber was er heute in seiner Fotografie präsentiert, ist nicht etwa eine wie auch immer geartete Verfremdung – ganz im Gegenteil. Braunholz behält immer festen Boden unter den Füßen, nur um dann die Momente aufzuspüren, in denen die Welt sich ganz von allein vom herkömmlichen Bild, das wir von ihr haben, abwendet. Verwirrend zum Beispiel der Park aus lichten Laubbäumen, die vom Boden aus großflächig angestrahlt sind; der Blick nach oben, dem der Fotograf mit der Kamera folgt, findet darüber ein Fenster zu einem Himmel, der in unnatürliches Magenta getaucht ist, in dem das hölzerne Gerippe eines Turmes „schwimmt“. Entstanden ist die Fotografie im laufenden Jahr 2013 in China, während der Zeit, als Braunholz Artist in Residence in Peking war. Auch wenn die Fotografie künstlich erscheint, als Rechenergebnis einer leistungsstarken Software, zeigt Peter Braunholz „nur“ das, was er vorgefunden hat. Bearbeitungen seines Materials, die über die Retusche von technischen Fehlern hinausgehen, lehnt er grundsätzlich ab.

...Braunholz geht klar und grafisch kontrastierend vor, wenn er kahle Bäume und deren Spiegelung in Wasserflächen zum Bildthema erhebt, sie in der Hängung des Lambda-Prints dann auch noch so zeigt, dass Oben und Unten vertauscht sind. Dann auch die malerische Vorgehensweise, Farben sich spiegelnder Gebäude, die durch die Wasserbewegung nicht mehr als solche erkennbar sind.

...Als Hintergrund keine paradiesischen Landschaften wie in der Renaissance, sondern farblose Vorstadtbereiche. Perfekt nach dem Goldenen Schnitt schiebt sich die Bauruine einer Schnellbahntrasse ins Bild, die optisch abstürzend im Nichts endet. „Dead End Highway“ – eine perfekt stilisierte Alltagserfahrung."

SÜDKURIER, Dezember 2013

"Mit der Leitfrage “Was sagt dieser Ort mir?” ist Peter Braunholz der Mauritiusgalerie auf den Leib gerückt. Soziologisch gesehen, nimmt er sich ihrer an im Kontext des ganzen Quartiers, das schon bessere wie schlechtere Tage gesehen hat: aus dem Dämmerlicht der Säle im ersten Stock richtet er seinen Blick heraus auf die Fassade des Gebäudes auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Ästhetisch gesehen, baut er seine Ausschnitte Wirklichkeit so symmetrisch auf, dass es umschlagen kann ins Sakrale. Speziell auf einer Fotografie, die drei Fensteröffnungen reiht wie die Tafeln eines Triptychons, komplett mit dem Querriegel des Heizkörpers als Predella.

Doch das Triptychon will nicht trösten mit der Schilderung heilsgeschichtlichen Geschehens. Die Sakralform transportiert den profansten aller Inhalte: Aspekte eines ehemaligen Hotels, gerüchteweise vorübergehend gar Bordells, in gelbem Sandstein und rotem Backstein errichtet wohl ein ganzes Jahrhundert vor dem Einkaufszentrum und provokant leerstehend ein halbes – abgeplatzter Putz, rußiger Stein, verrottete Fensterrahmen, mit Pappe geflickte Scheiben und jede Menge Taubenmist, der mitnichten vom Heiligen Geist stammt. Bitter-poetische Stilleben des schleichenden Zerfalls, doch farblich immer noch vitaler als die Innenwand der Mauritiusgalerie. Wiederholt scheint auf Braunholz’ Aufnahmen der Rand der Fensterdurchblicke nicht anzudocken am nächsten.

Wer digitale Manipulation vermutet, liegt falsch. Ebenso wie bei den Doppelhaushälften der Serie, die „Individualization“ betitelt ist, ein individuellerer Befund in der Tat, als Architekt Ernst May, der die Bauten in den zwanziger Jahren plante, ihn sich gewünscht hat. Es ist die Wirklichkeit selbst, die Irritationen ausbrütet."

Dr. Roland Held, Darmstadt
ARCHITEKTURSOMMER 2011
Temporäre Kunsthalle, Wiesbaden

"Peter Braunholz ist ein feinsinniger Fotograf aus Frankfurt, der zunächst als professioneller Musiker (etwa mit Patricia Kaas) und Gestalter arbeitete und dabei seine Berufung zur Fotografie erkannt hat. Wie gut, dass dies passiert ist, denn er kommt in seinen Streifzügen zu bemerkenswerten Arbeiten. Und er ist damit überaus erfolgreich, wie sich in Buchpublikationen zeigte (mit künstlerischer sowie mit Baustellen- und Reisefotografie), sowie auch in Ausstellungen, etwa mit Andreas Gursky und Thomas Ruff. Im Gegensatz zu den beiden deutschen Großmeistern arbeitet Braunholz subtiler, anspielungsreicher, geheimnisvoller: Er macht mit Fotografie Wirklichkeiten sichtbar, die wir mit unseren Sinnesorganen zunächst nicht wahrnehmen können.

Betrachtet man seine Schwarzweißaufnahmen, so findet man Bilder, die Fragen aufwerfen und Zusammenhänge verdeutlichen. Bilder, die zusätzliche formale und inhaltliche Ebenen jenseits der Abbildung schaffen. Peter Braunholz macht Bilder, die hinter das blicken, was als Realität erscheint. Bei einem gelungenen Zyklus geht es ihm darum, den Ort sinnlich zu fotografieren, dessen Seele einzufangen und dann auch im Bild zu transportieren. Mit Seelenruhe macht er Zyklus um Zyklus die Gratwanderung, ansprechend und ästhetisch zu sein und gleichzeitig inhaltlich fordernd.

So fragen wir uns häufig, welches Motiv er ins Bild rückt, Schnee oder Sand, Gletscher oder Felswand, Wasser oder Holz? Der Künstler lässt es offen und schafft trotz der z. T. starken Abstraktionen und surrealistischen Anmutungen realistische Bilder mit Aussagekraft. Diese lebt zum einen von den besonderen Motiven und Perspektiven, und zum anderen davon, dass die Fotografien nur sehr reduziert und mit quasi-analogen Techniken bearbeitet sind.

Peter Braunholz ist Mitglied des Kuratoriums der Abisag-Tüllmann-Stiftung und in der Jury des Abisag-Tüllmann-Preises, das heißt, er ist auch ein Fachmann für die Fotografie der Gegenwart. Im Frühjahr 2013 wird Peter Braunholz im Huantie Times Museum of Modern Art in Peking für ein 8-wöchiges Artist-in-Residence Stipendium im Museum leben, arbeiten und anschließend ausstellen. Wir werden noch Einiges von diesem Fotokünstler zu sehen bekommen."

Florian Koch, Frankfurt

http://www.peterbraunholz.de/files/gimgs/63_img0858arleslensculturepeterbraunholzweb_v2.jpg
COUR DE L'ARCHEVECHE, ARLES 2017
Topophilia Screening | LensCulture